»Ceci n’est pas un suicide«

Der erste Satz
Doch, er war hier, dachte Claire Collinet, als sie an einem frühen Novemberabend ihre kleine Galerie in der Rue La Fayette abschloss und nervös die Menschen in der Umgebung betrachtete.

Krimi der Woche ∙ N° 35/2026 ∙ Hanspeter Eggenberger

Der Surrealist René Magritte (1898–1967) ist der berühmteste belgische Künstler. Zu dessen fünfzigstem Todestag beauftragten seine Nachkommen Toni Coppers, den erfolgreichsten flandrisch-belgischen Krimiautor, einen Kriminalroman um Magritte zu schreiben. »De zaak Magritte« erschien pünktlich 2017, jetzt liegt er auch auf Deutsch vor: „Der Fall Magritte“.

Coppers schuf dafür eine neue Ermittlerfigur, den Ex-Commissaris Alex Berger. Der ist seit zwei Jahren krankgeschrieben, nachdem seine Frau bei den Anschlägen in Paris im November 2015 vor dem Restaurant Le Carillon getötet worden war.

Berger ist schwer depressiv, er säuft Rotwein aus Zweiliterkartons, um den Schmerz des Verlusts zu verdrängen. Wenn nicht der Kriminelle John Novak an jenem Freitag im November plötzlich doch noch hätte aussagen wollen, wäre Berger mit seiner Frau in Paris gewesen. Er macht sich – und Novak – deswegen Vorwürfe.

Jetzt ist Novak aus dem Gefängnis ausgebrochen. Und er beginnt, Leute umzubringen. An den Tatorten hinterlässt er jeweils ein Kärtchen: »Ceci n’est pas un suicide.« Auch die Schrift macht deutlich, dass sich das auf Magrittes berühmtes Bild mit der Pfeife und dem Text »Ceci n’est pas une pipe« bezieht: »Das ist keine Pfeife« (denn es ist nur das Abbild einer Pfeife; ein Bild sei nicht die Wirklichkeit, sagte der Künstler damit).

Berger lässt sich für den Fall von seinen Kollegen zurückholen, widerwillig vorerst zwar nur, doch bald treiben ihn Rachegefühle an, Novak zu finden, und zwar vor seinen Kolleginnen und Kollegen, die wirklich bei der Polizei arbeiten. Rache erweist sich auch als Novaks Motiv, das lange mysteriös ist, dem Berger aber auf die Spur kommt. Dabei gibt es auch weitere Bezüge zu Magritte: Dass die Köpfe von Novaks Opfer unter einem Stoffbeutel stecken, bezieht sich ebenfalls auf ein Werk des Surrealisten, bezieht sich ebenfalls auf ein Bild von Magritte.

»Der Fall Magritte« ist ein Krimi im klassischen Stil, der sich mehr auf die Psychologie konzentriert als auf Action. Das mag etwas altmodisch sein, ist aber durchaus unterhaltsam, denn der Plot ist interessant und die Geschichte gut erzählt. Inzwischen hat Coppers drei weitere Romane mit dem für das Magritte-Projekt geschaffenen Protagonisten Alex Berger veröffentlich. Der zweite wird im Frühjahr 2027 auf Deutsch erscheinen: »Sturz«. Offenbar überwindet Berger seine schwere Lebenskrise und kehrt zurück in „seine“ Abteilung bei der Polizei.

Wertung: 3,6 / 5

Toni Coppers: Der Fall Magritte
(Co-Autorin: Annick Lambert)
(Original: De zaak Magritte. Standaard Uitgeverij, Antwerpen 2017)
Aus dem Niederländischen von Florian Kranz
Lübbe, Köln 2026. 287 Seiten, 16 Euro/ca. 24 Franken

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Bild: Frank Abbeloos/Lübbe

Toni Coppers,

geboren 1961 in der flämischen Stadt Sint-Truiden in der belgischen Provinz Limburg, verliess das Gymnasium, als er 16 war. Er meldete sich freiwillig bei der belgischen Armee, desertierte aber schon nach drei Wochen aus der Kaserne. Nach erfolglosen Versuchen, einen Job zu bekommen, ging er zurück in die Schule.

Er arbeitete als Barmann und als Lehrer, war Moderator und Produzent beim nationalen belgischen Radio und Fernsehen, wo er Reisesendungen machte. Bevor er sich als Krimiautor etablierte, veröffentlichte er Reisebücher, produzierte Drehbücher und schrieb Szenarien für Comics. Literarisch debütierte er 1995 mit dem Briefroman „De Beha van Madonna“. Sein erster Krimi, „Dixit“, erschien 2005 und war, wie der Nachfolger „Heilige Nachten“ im Jahr darauf, mehr Satire als Thriller.

Mit „Niets is ooit“ startete er 2008 die Reihe mit der Brüsseler Kommissarin Liese Meerhout, von der bisher 21 Bände erschienen sind, die in Belgien eine Auflage von über 500'000 Exemplaren erreichte und auch Vorlage für eine erfolgreiche TV-Serie war.

„Der Fall Magritte“ ist nun sein erstes Buch, das auch auf Deutsch erscheint. Geschrieben hat er es im Auftrag der Erben des Künstlers René Magritte zu dessen 50. Todestag 2017. Mit dem dafür geschaffenen neuen Protagonisten Alex Berger hat er inzwischen drei weitere Romane geschrieben. Der zweite, „Sturz“, erscheint im März 2027 auf Deutsch.

Toni Coppers lebt und arbeitet in Antwerpen und in den Ardennen. Er ist mit der Schriftstellerin Annick Lambert verheiratet, die als Co-Autorin mit ihrem Mann zusammenarbeitet; die Patchwork-Familie hat fünf Kinder.


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