Der Todesfluch eines Horrorfilms

Der erste Satz
Als Laura Warren begriff, dass sie in der Scheiße saß, befand sie sich schon mitten über dem Atlantik.

Krimi der Woche ∙ N° 02/2026 ∙ Hanspeter Eggenberger

Laura Warren ist Filmjournalistin in England. Der Chef des Magazins, für das sie arbeitet, entsendet sie nach Los Angeles, um über die Dreharbeiten einer Miniserie zu berichten. Erst auf dem Flug über den Atlantik liest sie die Informationen zu dieser Serie. Und ist entsetzt. Denn die Serie soll eine Neuinterpretation des Horrorkultfilms „The Guesthouse“ aus dem Jahr 1977 sein. Laura, die damals Polly Tremaine hiess, spielte darin als junges Mädchen die Hauptrolle. Der Film ist der Grund, weshalb ihre Familie aus Kalifornien nach England zog, dass sie nicht mehr Schauspielerin ist und einen anderen Namen trägt. Den nicht nur wurde Polly, die seit sie ein kleines Kind war Schauspielerin war, nach dem Film gestalkt und fast entführt – während den Dreharbeiten und danach kamen acht am Film beteiligte Personen ums Leben. Auf dem Film liege ein Fluch, hiess es.

Was Laura nun in Los Angeles erlebt, wie sie von ihrer Vergangenheit eingeholt und was geschieht, als ihre sorgsam geheim gehaltene Identität bekannt wird, erzählt der englische Filmjournalist und Horror-Aficionado Josh Winning in seinem Roman „Verbrenn das Negativ“. Laura war überzeugt, dass niemand weiss, dass sie die Polly aus „The Guesthouse“ ist. Doch offenbar wusste ihr Chef und Ex-Liebhaber doch davon, sonst hätte er sich nicht zu diesen Dreharbeiten geschickt.

Der erste Tote bei den „Guesthouse“-Dreharbeiten war am Set vom Dach eines Hauses gestürzt. Dreissig Jahre danach sieht Laura auf dem Weg zum Studio in L.A. einen Mann, der von einer Brücke stürzt. Jetzt fängt das wieder an, denkt sie. Und tatsächlich bleibt es nicht bei einem Toten. Laura sieht sich gezwungen, sich mit dem angeblichen Fluch auseinanderzusetzen. Und mit der Frage, ob sie mitschuldig an den unheimlichen Geschehnissen ist.

Gothic ist noch so meins; ich kann mit „Übersinnlichem“ nicht viel anfangen. Obwohl solche Horrorelemente hier von zentraler Bedeutung sind, habe ich „Verbrenn das Negativ“ gern gelesen. Josh Winning hat einen raffinierten Plot ausgeheckt, in dem er Horroraspekte mit typischen Bausteinen des Whodunit wie auch des Psychothrillers kombiniert, dazu kommen mit der Kindheitsgeschichte von Polly/Laura zudem Coming-of-age-Elemente. Und das Ganze ist darüber hinaus die Hommage eines Fans an die alten Horrorkultfilme. Spannend, ein bisschen unheimlich, witzig, ziemlich schlau – sehr unterhaltsam.

Wertung: 3,9 / 5

Josh Winning: Verbrenn das Negativ
(Original: Burn the Negative. G. P. Putnam’s Sons, New York 2023)
Aus dem Englischen von Stefan Lux
Suhrkamp, Berlin 2025. 374 Seiten, 18 Euro/ca. 27 Franken

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Bild: Robert Gershinson/goodreads.com

Josh Winning,

geboren ca. 1984 (keine Altersangabe von ihm verfügbar), ist in der englischen Grafschaft Suffolk aufgewachsen. Er studierte Film und Kommunikation an der Anglia Ruskin University in Cambridge, wo er 2005 mit dem BA abschloss. Am City College Brighton absolvierte er danach den NCTJ-Diplom-Studiengang in Magazinjournalismus. Er war als leitender Filmjournalist tätig für „Radio Times“, schrieb mehr als ein Jahrzehnt für „Total Film“ und ist Co-Host des Film-Podcasts „Torn Stubs“. Unter vielen anderen interviewte er Miss Piggy und Goldie Hawn.

Schon seit seiner Jugend faszinierten ihn Horror und Fantasy – und das Schreiben. Sein erster Roman „The Shadow Glass“ (2022) ist ein Horror-Fantasy-Stück. „Burn the Negative“ (2023), jetzt als „Verbrenn das Negativ“ auf Deutsch erschienen, ist sein zweiter Roman. Seither ist ein weiterer Titel von ihm erschienen, „Heads Will Roll“ (2024), und für Sommer 2026 ist „Be Still My Unbeating Heart“ angekündigt, den er selbst als „cozy, queer, vacation mystery“ beschreibt.

Josh Winning lebt mit seinem Partner und der Katze Penny in East Anglia.


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